Leitfaden

Künstlerische Übersetzung: Die faszinierende Kunst des literarischen Übersetzens

Tauche ein in die faszinierende Welt der literarischen Übersetzung, wo aus Worten Brücken zwischen Kulturen entstehen. Entdecke, wie du den Geist von Gedichten, Liedtexten und Theaterstücken einfängst und ihnen in der Zielsprache neues Leben einhauchst. Entwickle ein feines Gespür für Nuancen und schaffe eigenständige Kunstwerke, die den Originalen in nichts nachstehen.

Veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert am

Visuelle Einführung

Person fotografiert ein Kunstwerk mit einem Smartphone
Text
schwarzes und weißes Zitatbrett
Mann in schwarzer Jacke sitzt auf braunem Holzboden
Photo by Doyle Shin on Unsplash
ein Mann sitzt vor einer Projektion an einer Wand
Photo by Derek Lee on Unsplash
ein Holzblock mit der Aufschrift "Übersetzung"
Photo by Ling App on Unsplash
eine weiße Wand mit einem Schild "Bitte berühren"
Photo by Suzi Kim on Unsplash
Text
Ein Schild an der Wand mit der Aufschrift "Genießen Sie Ruhe im dritten Stock"
Photo by Suzi Kim on Unsplash
Text
Text
Photo by Stefan on Unsplash
Eine Betonwand mit einem Zitat auf Chinesisch
Photo by Leon P on Unsplash
Eine Nahaufnahme eines aufgeschlagenen Buches mit Text
Nahaufnahme von Text auf einer Buchseite
Ein Schild an der Seite eines Gebäudes
Nahaufnahme eines aufgeschlagenen Buches mit Text
Eine Wand mit einem Schild darauf
Photo by Carlos 312 on Unsplash
Text
Text
Text
Photo by EJ Li on Unsplash

Erwartung

Als ich mich an meinem alten Eichenschreibtisch in meiner Berliner Altbauwohnung niederließ, lag ein Gedichtband von Jacques Prévert vor mir. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee mischte sich mit dem Geruch des alten Ledersessels, während ich die ersten Zeilen von "Déjeuner du matin" las. Ob ich dieser melancholischen Schönheit auf Deutsch gerecht werden könnte? Ich spürte einen angenehmen Kribbeln im Bauch, eine Mischung aus Vorfreude und Ehrfurcht.

Ich begann mit Recherchen im Duden, blätterte in meinem geliebten "Pons" und durchforstete Online-Foren nach Übersetzungsdiskussionen. Besonders die musikalische Qualität der Verse beschäftigte mich - wie sollte ich den Rhythmus der Pariser Straßen einfangen? Ich erinnerte mich an meine Zeit in Frankreich, an die Gerüche der Boulangerien am frühen Morgen, das Klappern der Kaffeetassen in den Straßencafés. All diese Erinnerungen wollte ich in meine Übersetzung einfließen lassen.

Eintauchen

Die ersten Übersetzungsversuche fühlten sich an, als würde ich auf dem schmalen Grat zwischen zwei Sprachwelten balancieren. Jedes Wort musste sorgfältig abgewogen werden - nicht nur seine Bedeutung, sondern auch sein Klang, seine Assoziationen. Als ich an der Stelle "Il a mis le café / Dans la tasse" anlangte, probierte ich verschiedene Versionen aus: "Er goss den Kaffee ein" - zu technisch. "Er schenkte den Kaffee ein" - zu freundlich. Schließlich fand ich die Lösung: "Er schüttete den Kaffee in die Tasse" - ein kurzes, abgehacktes "schüttete", das die Kälte der Geste perfekt einfing.

Stunden vergingen wie im Flug. Draußen war es inzwischen dunkel geworden, nur die Schreibtischlampe warf einen warmen Schein auf meine Notizen. Ich summte die Zeilen vor mich hin, lauschte dem Rhythmus, spürte, wie die Worte auf meiner Zunge zergingen. Manchmal musste ich aufstehen, im Zimmer auf und ab gehen, die Worte an die Wände meiner Wohnung werfen, um zu hören, wie sie klingen.

Reflexion

Als ich die letzte Zeile setzte und den Stift beiseitelegte, durchströmte mich ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Vor mir lag nicht einfach eine Übersetzung, sondern ein eigenständiges Kunstwerk, das meine persönliche Handschrift trug. Ich hatte nicht nur Worte übertragen, sondern eine Brücke zwischen zwei Welten geschlagen, zwischen Pariser Morgenstimmung und Berliner Abenddämmerung.

Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Sprache für immer verändert. Ich verstehe jetzt, dass Übersetzen eine der intimsten Formen der Lektüre ist - man muss jeden Satz, jedes Wort, jede Nuance nicht nur verstehen, sondern fühlen. Es ist eine Demut lehrende Tätigkeit, die gleichzeitig ungeahnte kreative Freiheiten bietet. Wenn ich heute durch die Straßen Berlins gehe, höre ich die Worte beider Sprachen um mich herum - manchmal vermischen sie sich zu einem einzigartigen Klangteppich, der mich an die Magie erinnert, die entsteht, wenn Welten aufeinandertreffen.

Künstlerische Übersetzungen ermöglichen den Zugang zu literarischen Schätzen aus aller Welt und fördern so das interkulturelle Verständnis. Sie sind die unsichtbaren Fäden, die unsere globalisierte Welt zusammenhalten.
Das intensive Auseinandersetzen mit Texten schult das Sprachgefühl und erweitert den eigenen Wortschatz in beiden Sprachen. Man lernt, die eigene Muttersprache mit neuen Augen zu sehen.
Die Suche nach der treffendsten Formulierung ist ein kreativer Akt, der die Vorstellungskraft beflügelt und neue Denkwege eröffnet. Jede Übersetzung ist gleichzeitig eine Interpretation.
Die Analyse von Texten und die Entscheidung für bestimmte Übersetzungsstrategien schärfen das analytische Denkvermögen und fördern die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu durchdringen.
Gute literarische Übersetzer werden in Verlagen, Medien und Kulturinstitutionen hoch geschätzt. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Übersetzungen wächst stetig.
Die intensive Beschäftigung mit literarischen Texten erweitert den eigenen Horizont, fördert die Empathie und ermöglicht tiefe Einblicke in fremde Kulturen und Denkweisen.
Durch künstlerische Übersetzungen werden auch Minderheitensprachen und literarische Traditionen für nachfolgende Generationen bewahrt und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
  1. Schnapp dir einen literarischen Kurztext in einer Sprache, die du sehr gut beherrschst - vielleicht ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte, die dich persönlich anspricht.
  2. Lies den Text mehrmals laut vor, um ein Gefühl für Rhythmus und Klang zu bekommen. Markiere dir besonders ausdrucksstarke Stellen.
  3. Erstelle eine Rohübersetzung, bei der du zunächst den Inhalt korrekt wiedergibst, ohne dich zu sehr an stilistischen Feinheiten aufzuhalten.
  4. Nimm dir Zeit für die Feinarbeit: Passe Rhythmus, Klang und bildhafte Sprache an die Zielsprache an. Hier ist Geduld gefragt!
  5. Leg die Übersetzung für ein bis zwei Tage beiseite und komm mit frischem Blick darauf zurück. Du wirst überrascht sein, was dir jetzt auffällt.
  6. Tausche dich mit anderen Übersetzern aus, zum Beispiel in Online-Foren oder lokalen Übersetzertreffen. Feedback ist Gold wert!
  7. Beginne mit kürzeren Texten und arbeite dich langsam zu umfangreicheren Werken vor. Romane zu übersetzen ist ein Marathon, kein Sprint.
  • Fließende Beherrschung von Ausgangs- und Zielsprache auf muttersprachlichem Niveau (mindestens C1/C2)
  • Tiefes Verständnis für literarische Texte und Stilmittel
  • Grundkenntnisse der Literaturtheorie und -geschichte beider Sprachräume
  • Geduld und Ausdauer für langwierige Feinarbeiten
  • Ein gutes ein- und zweisprachiges Wörterbuch (z.B. Duden, Pons)
  • Zugang zu Fachliteratur über literarische Übersetzung
  • Ruhiger Arbeitsplatz für konzentriertes Arbeiten
  • Zeitmanagement-Fähigkeiten für längere Projekte

Künstlerische Übersetzungen erfordern Respekt vor dem Originalwerk und seiner kulturellen Herkunft. Achte auf Urheberrechte und nimm bei sensiblen Inhalten Rücksicht auf kulturelle Unterschiede. Bei der Übersetzung von Texten mit potenziell verstörenden Inhalten empfiehlt sich eine entsprechende Kennzeichnung. Barrierefreie Formate sollten bei der Veröffentlichung berücksichtigt werden.

Ein Studium der Übersetzungswissenschaften, Literatur oder einer Fremdsprache kann hilfreich sein, ist aber kein Muss. Wichtiger sind exzellente Sprachkenntnisse, ein gutes Gespür für Texte und viel Übung. Viele erfolgreiche Übersetzer haben sich das Handwerk autodidaktisch angeeignet oder über Praktika in Verlagen gelernt.
Lies möglichst viel zeitgenössische Literatur in der Zielsprache, um ein Gefühl für den natürlichen Sprachfluss zu entwickeln. Besonders hilfreich sind Werke, die in einem ähnlichen Stil geschrieben sind wie dein Ausgangstext. Achte darauf, wie verschiedene Autoren mit Sprache umgehen und welche stilistischen Mittel sie verwenden.
Wortspiele sind die größte Herausforderung für jeden Übersetzer. Manchmal findet man ein ähnliches Wortspiel in der Zielsprache, manchmal muss man kreativ werden und eine ganz andere Lösung finden, die den gleichen Effekt erzielt. Wichtig ist, dass der Geist des Originals erhalten bleibt, auch wenn die konkrete Formulierung abweicht.
Das hängt stark von Textlänge und -komplexität ab. Als Richtwert kann man mit etwa 5-10 Seiten pro Tag für eine erste Rohübersetzung rechnen, wobei die anschließende Überarbeitung noch einmal ähnlich viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Besonders anspruchsvolle Texte wie Lyrik können noch mehr Zeit erfordern.
Eine Spezialisierung kann durchaus sinnvoll sein, besonders wenn du dich in bestimmten Bereichen besonders gut auskennst. Viele Übersetzer spezialisieren sich auf bestimmte Genres wie Krimis, Science-Fiction oder Kinderliteratur. Wichtiger als die Spezialisierung ist jedoch die Leidenschaft für den Text, den du übersetzt.
Sehr wichtig! Ein tiefes Verständnis der kulturellen Bezüge ist oft entscheidend, um den Text angemessen zu übersetzen. Bei Bedarf solltest du dich in die historischen, sozialen und kulturellen Hintergründe einlesen, um den Text vollständig zu verstehen. Manchmal kann ein kultureller Verweis in einer Fußnote erklärt werden, wenn es keine direkte Entsprechung gibt.
Jede Übersetzung ist immer auch eine Interpretation. Während du dich eng an den Originaltext halten solltest, gehört es zu deiner Aufgabe als Übersetzer, Entscheidungen zu treffen, wie bestimmte Passagen in der Zielsprache am besten wiedergegeben werden. Wichtig ist, dass du die Intention des Autors respektierst und nicht deine eigene Agenda verfolgst.
Beginne damit, Verlage anzuschreiben, die Bücher in deinem Sprachpaar veröffentlichen. Ein aussagekräftiges Probekapitel ist oft hilfreicher als ein Lebenslauf. Netzwerke auf Buchmessen wie der Leipziger Buchmesse oder der Frankfurter Buchmesse können ebenfalls wertvoll sein. Viele Übersetzer beginnen mit kürzeren Texten für Literaturzeitschriften oder Anthologien, bevor sie sich an umfangreichere Werke wagen.
Bei schwierigen Passagen kann es helfen, den Text zunächst wörtlich zu übersetzen, um ihn besser zu verstehen. Dann arbeitest du dich schrittweise zu einer literarisch anspruchsvollen Formulierung vor. Manchmal ist es auch sinnvoll, mit anderen Übersetzern zu sprechen oder den Autor zu kontaktieren, falls möglich. Wichtig ist, nicht aufzugeben - oft führen Umwege zu den besten Lösungen.
Regelmäßige Lektüre aktueller Literatur in beiden Sprachen ist unerlässlich. Besuche Lesungen, nimm an Weiterbildungen teil und tausche dich mit Kollegen aus. Viele Städte haben Übersetzerforen oder -stammtische. Auch die Mitgliedschaft im Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) bietet wertvolle Kontakte und Fortbildungsmöglichkeiten.
Die Möglichkeit des direkten Austauschs mit dem Autor kann sehr bereichernd sein, besonders bei unklaren Stellen oder kulturellen Besonderheiten. Allerdings arbeiten nicht alle Autoren gerne mit Übersetzern zusammen, und manchmal ist der Autor bereits verstorben. In solchen Fällen sind Sekundärliteratur und die Konsultation von Experten hilfreich.
Kritik ist ein wichtiger Teil des Berufs und sollte nicht persönlich genommen werden. Nimm konstruktive Anmerkungen zum Anlass, deine Arbeit zu reflektieren und dich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig solltest du zu deinen Entscheidungen stehen können - schließlich kennst du den Text und die damit verbundenen Herausforderungen am besten. Ein gesundes Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, dazuzulernen, sind hier gleichermaßen wichtig.

Werde zum Sprachkünstler und bring die Welt der Worte zum Klingen!