Leitfaden

Ehrenamt in Deutschland: Soziale Verantwortung leben und Gutes tun

Tauche ein in die Welt des Ehrenamts und entdecke, wie du durch deinen persönlichen Einsatz das Leben anderer Menschen, Tiere oder die Umwelt positiv verändern kannst. Von der Unterstützung sozialer Einrichtungen bis hin zu Umweltschutzprojekten – deine Zeit und Fähigkeiten können Großes bewirken.

Veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert am

Visuelle Einführung

ein Paar Leute, die an einem Tisch stehen
Eine Frau reicht einer anderen Frau einen Teller mit Essen
Photo by Khalil Radi on Unsplash
Eine gelbe und weiße Wand mit einer Uhr
Aufkleber an einem Pfahl mit der Aufschrift "Anderen zu helfen, hilft dir selbst"
Person in rotem Hemd steht
Weiße Wandfarbe mit braunem Textil
Photo by BP Miller on Unsplash
Mann in rotem T-Shirt hält weiße Plastikflasche
Schwarz-weißes Foto eines Mannes auf einem Feld
Eine Gruppe von Menschen steht um einen Tisch mit Taschen
eine Gruppe von Menschen in rosa Westen mit einem Schild
Ein Paar steht auf dem Erdboden
Photo by Brad Weaver on Unsplash
eine Gruppe von Menschen neben einem Stoffhaufen
Blaues Herrenhemd mit Knopfleiste und langen Ärmeln
Mädchen und Frau lächeln nach einer Outdoor-Aktivität
Photo by Jimmy Liu on Unsplash
Ein Mann trägt zwei Müllsäcke am Strand
Herren-Hemd in Weiß
Ein Mann, eine Frau und ein Kind posieren für ein Foto
Mann in schwarzem Rundhals-T-Shirt und grauen Shorts steht neben Mann in weißem T
Photo by Melanie Lim on Unsplash
Frau im braunen Shirt spricht zu einer Gruppe unter einem Zelt
Gruppe von Menschen, die tagsüber auf braunem Sand sitzen

Erwartung

Schon seit meiner Studienzeit hatte ich den Wunsch, mich ehrenamtlich zu engagieren. Als ich dann in die Großstadt zog, um zu arbeiten, wurde dieser Wunsch immer stärker. Die vielen sozialen Initiativen in meinem Viertel haben mich neugierig gemacht. Besonders die Begegnungsstätte "Mittendrin" um die Ecke weckte mein Interesse. Die Vorstellung, älteren Menschen im Alltag zur Seite zu stehen, hat mich sofort angesprochen. Zwar hatte ich Bedenken, ob ich den Erwartungen gerecht werden könnte, aber die herzliche Atmosphäre beim ersten Besuch nahm mir schnell die Scheu.

Die ehrenamtliche Koordinatorin erklärte mir beim ersten Treffen im gemütlichen Café des Seniorenzentrums: "Bei uns geht es nicht um Perfektion, sondern ums Dasein und Zuhören." Diese Worte haben mich beruhigt. Gemeinsam mit anderen Neu-Ehrenamtlichen nahm ich an einer Einführungsschulung teil, bei der wir viel über den Umgang mit Seniorinnen und Senioren lernten. Besonders in Erinnerung blieb mir der Satz: "Manchmal ist gemeinsames Schweizen genauso wertvoll wie ein tiefes Gespräch."

Eintauchen

Mein erster eigener Besuch bei einem Bewohner ist mir unvergesslich. Schon beim Eintreten in sein Zimmer im zweiten Stock umfing mich der vertraute Geruch nach frisch gebrühtem Kaffee und dem sanften Duft von Lavendel. "Ach, da sind Sie ja endlich!", begrüßte mich der 87-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln. "Ich dachte schon, Sie hätten es sich anders überlegt!" Während wir bei selbstgebackenem Apfelkuchen über seine Zeit als Bäcker im Osten der Stadt plauderten, bemerkte ich, wie seine blauen Augen zu leuchten begannen, als er von seiner Meisterprüfung erzählte. Draußen spielten Kinder auf dem Hof, ihr Lachen mischte sich mit dem leisen Ticken der Standuhr in der Ecke.

Besonders berührt hat mich unser gemeinsamer Spaziergang zu einem nahegelegenen Park. Mein Gesprächspartner, sonst eher zurückhaltend, wurde richtig lebhaft, als er mir die Geschichte des ehemaligen Flughafens erzählte. "Hier bin ich früher mit meinem Enkel Drachen steigen gegangen", sagte er und zeigte auf die weite Wiese. In diesem Moment spürte ich, wie wertvoll diese gemeinsame Zeit für uns beide war. Die kühle Herbstluft, das Rascheln der Blätter unter unseren Füßen und das ferne Gelächter von Kindern schufen eine besondere Atmosphäre der Verbundenheit.

Reflexion

Wenn ich heute an meine Zeit als Ehrenamtliche zurückdenke, wird mir klar, wie sehr mich diese Erfahrung geprägt hat. Aus dem anfänglichen "Ich will helfen" wurde ein gegenseitiges Geben und Nehmen, das mein Leben ungemein bereichert hat. Die wöchentlichen Besuche bei Herrn Weber sind fester Bestandteil meines Alltags geworden – und ich vermisse sie, wenn sie mal ausfallen müssen.

Besonders in Erinnerung bleibt mir der Moment, als ich nach einem anstrengenden Arbeitstag zu ihm kam und er sofort bemerkte, dass etwas nicht stimmte. "Setz dich erstmal hin, ich mach uns einen Tee", sagte er einfach. In dieser Umkehrung der Rollen wurde mir bewusst, wie sehr sich unsere Beziehung entwickelt hatte. Heute weiß ich: Ehrenamt bedeutet nicht nur, anderen zu geben, sondern auch selbst beschenkt zu werden – mit wertvollen Begegnungen, neuen Perspektiven und einer tiefen Dankbarkeit für das gemeinsame Miteinander.

Ehrenamtliche Arbeit ist das Rückgrat unseres sozialen Miteinanders. Durch dein Engagement trägst du aktiv dazu bei, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Brücken zwischen Generationen und Kulturen zu bauen. In Deutschland sind über 30 Millionen Menschen ehrenamtlich aktiv – werde Teil dieser starken Gemeinschaft!
Ehrenamtliche Tätigkeiten bieten einzigartige Möglichkeiten, neue Fähigkeiten zu erlernen und vorhandene zu vertiefen. Vom Projektmanagement über interkulturelle Kompetenz bis hin zu spezifischen Fachkenntnissen – das erworbene Wissen ist nicht nur im Ehrenamt, sondern auch im Berufsleben wertvoll.
Nicht zu unterschätzen ist der berufliche Nutzen ehrenamtlichen Engagements. Viele Arbeitgeber schätzen die sogenannten 'Soft Skills', die man in der Freiwilligenarbeit erwirbt. Zudem kannst du wertvolle Kontakte knüpfen und dich in neuen Bereichen ausprobieren.
Studien des Deutschen Zentrums für Altersfragen belegen die positiven Auswirkungen ehrenamtlicher Tätigkeiten auf die psychische Gesundheit. Das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun, wirkt sich nachweislich positiv auf das Wohlbefinden aus und kann sogar vor Depressionen schützen.
Durch die Begegnung mit Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten eröffnen sich dir völlig neue Blickwinkel. Diese Erfahrungen bereichern dein Leben und helfen dir, Vorurteile abzubauen und Verständnis für andere Lebenssituationen zu entwickeln.
Ob im Stadtteilzentrum, Sportverein oder bei der Freiwilligen Feuerwehr – dein Engagement vor Ort trägt unmittelbar zur Lebensqualität in deiner Umgebung bei. Viele soziale und kulturelle Angebote wären ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht möglich.
Dein ehrenamtlicher Einsatz hat oft eine langfristige Wirkung, die weit über den eigentlichen Einsatzzeitraum hinausgeht. Besonders im Umwelt- und Bildungsbereich schaffst du damit nachhaltige Perspektiven für zukünftige Generationen.
  1. Mach dir zunächst Gedanken, wo deine Interessen und Fähigkeiten liegen: Möchtest du lieber mit Menschen arbeiten, im Umweltbereich tätig sein oder dich im Katastrophenschutz engagieren?
  2. Informiere dich bei deiner örtlichen Freiwilligenagentur oder auf Online-Portalen über passende Möglichkeiten in deiner Nähe.
  3. Vereinbare ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit der Organisation deiner Wahl. Nutze die Gelegenheit, alle offenen Fragen zu klären und dir ein eigenes Bild zu machen.
  4. Kläre wichtige Rahmenbedingungen wie Zeitaufwand, Einarbeitung, Versicherungsschutz und mögliche Aufwandsentschädigungen. Ein schriftlicher Vertrag gibt beiden Seiten Sicherheit.
  5. Starte mit einem Probetermin oder einer kurzfristigen Aktion, um zu testen, ob die Tätigkeit zu dir passt. Viele Organisationen bieten Schnupperangebote an.
  6. Tausche dich regelmäßig mit anderen Ehrenamtlichen aus, zum Beispiel in Begleitgruppen oder bei Fortbildungen. Der Erfahrungsaustausch ist wertvoll und motivierend.
  7. Vergiss nicht, auch auf deine eigenen Grenzen zu achten. Ein Ehrenamt sollte fordern, aber nicht überfordern. Regelmäßige Reflexion hilft, die Balance zu halten.
  • Erweitertes Führungszeugnis (kostenlos für Ehrenamtliche)
  • Grundkenntnisse in Erster Hilfe (empfohlen)
  • Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit
  • Interkulturelle Kompetenz und Empathie
  • Mindestalter: 16 Jahre (je nach Einsatzgebiet variierend)

Für ehrenamtliche Tätigkeiten gelten je nach Einsatzgebiet spezifische Anforderungen. Bei der Arbeit mit schutzbedürftigen Personen ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis erforderlich. Die gesetzliche Unfallversicherung ist über die jeweilige Einsatzorganisation abgedeckt. Bei Tätigkeiten mit körperlicher Belastung wird eine gesundheitliche Eignung empfohlen. Die wöchentliche Einsatzdauer sollte 15 Stunden nicht überschreiten. Bei Fragen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Aufwandsentschädigungen wird die Konsultation eines Steuerberaters empfohlen.

Überlege dir zunächst, was dir persönlich wichtig ist und wo deine Stärken liegen. Möchtest du dich sozial, ökologisch oder im kulturellen Bereich engagieren? Nutze die Beratungsangebote von Freiwilligenagenturen oder Online-Tests wie den 'Engagement-Finder' der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen. Ein Probeeinsatz hilft dir, herauszufinden, ob die Tätigkeit zu dir passt.
Der Zeitaufwand variiert je nach Tätigkeit stark. Viele Engagements sind bereits mit 2-4 Stunden pro Woche möglich. Wichtig ist, dass du realistische Zeitfenster einplanst und Pufferzeiten lässt. Die meisten Organisationen sind flexibel und freuen sich über jede Stunde, die du einbringen kannst.
Ehrenamtliche Tätigkeiten werden in der Regel nicht vergütet, da es sich um freiwilliges Engagement handelt. Allerdings werden oft Fahrtkosten erstattet, und manche Organisationen bieten eine Aufwandsentschädigung an. Bis zu 840 Euro pro Jahr sind steuerfrei. Bei bestimmten Tätigkeiten wie Übungsleiter*innen sind sogar bis zu 3.000 Euro jährlich steuerfrei möglich.
Ehrenamtlich Tätige sind über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Zusätzlich besteht in der Regel eine Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung über die jeweilige Organisation. Bei Fragen dazu wende dich am besten an deine*n Ansprechpartner*in in der Einsatzstelle.
Ja, es gibt zahlreiche Möglichkeiten für ehrenamtliche Einsätze im Ausland, zum Beispiel über den Europäischen Freiwilligendienst (Europäisches Solidaritätskorps) oder weltwärts. Diese Programme richten sich oft an junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren und beinhalten in der Regel eine intensive Vorbereitung und Begleitung.
Du hast das Recht auf eine angemessene Einarbeitung, regelmäßige Information, Versicherungsschutz und die Erstattung von Auslagen. Zu deinen Pflichten gehören Verschwiegenheit, Zuverlässigkeit und die Einhaltung der vereinbarten Zeiten. Ein schriftlicher Vertrag ist nicht zwingend erforderlich, wird aber oft abgeschlossen, um die Rahmenbedingungen festzuhalten.
Absolut! Viele im Ehrenamt erworbene Fähigkeiten wie Teamarbeit, Projektmanagement oder interkulturelle Kompetenz sind auch im Berufsleben gefragt. Füge dein Engagement in deinen Lebenslauf ein und erwähne es in Vorstellungsgesprächen. Manche Arbeitgeber bieten sogar bezahlte Freistellungen für ehrenamtliches Engagement an.
Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Ehrenamt nicht deinen Erwartungen entspricht. Sprich offen mit deiner Ansprechperson über deine Bedenken – vielleicht gibt es die Möglichkeit, die Tätigkeit anzupassen. Wenn das nicht hilft, ist es besser, das Engagement zu beenden, als unzufrieden weiterzumachen.
Die meisten Ehrenämter sind ab 16 Jahren möglich, für einige Tätigkeiten (z.B. Jugendleiter*in) gibt es spezielle Altersvorgaben. Nach oben gibt es praktisch keine Grenzen – viele ältere Menschen engagieren sich bis ins hohe Alter. Wichtig ist, dass du dich körperlich und geistig in der Lage fühlst, die gewählte Tätigkeit auszuüben.
Ja, viele Organisationen suchen regelmäßig nach Helfer*innen für Veranstaltungen, Katastropheneinsätze oder saisonale Projekte. Auch digitale Freiwilligenarbeit (z.B. Online-Mentoring oder Übersetzungstätigkeiten) bietet oft flexible Zeiteinteilung. Schau dafür zum Beispiel auf Plattformen wie 'Vostel.de' oder 'GoVolunteer' nach passenden Möglichkeiten.
Ehrenamtliche Tätigkeiten wirken sich nicht direkt auf deine gesetzliche Rente aus, da keine Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden. Allerdings können die im Ehrenamt erworbenen Kompetenzen bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz hilfreich sein. Für bestimmte Formen des Engagements wie das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst werden Rentenbeiträge gezahlt.
Ja, digitale Freiwilligenarbeit wird immer beliebter. Möglichkeiten gibt es viele: vom Online-Nachhilfegeben über digitale Seniorenbegleitung bis hin zur Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen bei Social Media oder Webdesign. Verschiedene Online-Portale vermitteln entsprechende Projekte.

Werde aktiv und entdecke die Freude am Helfen!