Ehrenamt in Deutschland: Soziale Verantwortung leben und Gutes tun
Tauche ein in die Welt des Ehrenamts und entdecke, wie du durch deinen persönlichen Einsatz das Leben anderer Menschen, Tiere oder die Umwelt positiv verändern kannst. Von der Unterstützung sozialer Einrichtungen bis hin zu Umweltschutzprojekten – deine Zeit und Fähigkeiten können Großes bewirken.
Visuelle Einführung
Erwartung
Schon seit meiner Studienzeit hatte ich den Wunsch, mich ehrenamtlich zu engagieren. Als ich dann in die Großstadt zog, um zu arbeiten, wurde dieser Wunsch immer stärker. Die vielen sozialen Initiativen in meinem Viertel haben mich neugierig gemacht. Besonders die Begegnungsstätte "Mittendrin" um die Ecke weckte mein Interesse. Die Vorstellung, älteren Menschen im Alltag zur Seite zu stehen, hat mich sofort angesprochen. Zwar hatte ich Bedenken, ob ich den Erwartungen gerecht werden könnte, aber die herzliche Atmosphäre beim ersten Besuch nahm mir schnell die Scheu.
Die ehrenamtliche Koordinatorin erklärte mir beim ersten Treffen im gemütlichen Café des Seniorenzentrums: "Bei uns geht es nicht um Perfektion, sondern ums Dasein und Zuhören." Diese Worte haben mich beruhigt. Gemeinsam mit anderen Neu-Ehrenamtlichen nahm ich an einer Einführungsschulung teil, bei der wir viel über den Umgang mit Seniorinnen und Senioren lernten. Besonders in Erinnerung blieb mir der Satz: "Manchmal ist gemeinsames Schweizen genauso wertvoll wie ein tiefes Gespräch."
Eintauchen
Mein erster eigener Besuch bei einem Bewohner ist mir unvergesslich. Schon beim Eintreten in sein Zimmer im zweiten Stock umfing mich der vertraute Geruch nach frisch gebrühtem Kaffee und dem sanften Duft von Lavendel. "Ach, da sind Sie ja endlich!", begrüßte mich der 87-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln. "Ich dachte schon, Sie hätten es sich anders überlegt!" Während wir bei selbstgebackenem Apfelkuchen über seine Zeit als Bäcker im Osten der Stadt plauderten, bemerkte ich, wie seine blauen Augen zu leuchten begannen, als er von seiner Meisterprüfung erzählte. Draußen spielten Kinder auf dem Hof, ihr Lachen mischte sich mit dem leisen Ticken der Standuhr in der Ecke.
Besonders berührt hat mich unser gemeinsamer Spaziergang zu einem nahegelegenen Park. Mein Gesprächspartner, sonst eher zurückhaltend, wurde richtig lebhaft, als er mir die Geschichte des ehemaligen Flughafens erzählte. "Hier bin ich früher mit meinem Enkel Drachen steigen gegangen", sagte er und zeigte auf die weite Wiese. In diesem Moment spürte ich, wie wertvoll diese gemeinsame Zeit für uns beide war. Die kühle Herbstluft, das Rascheln der Blätter unter unseren Füßen und das ferne Gelächter von Kindern schufen eine besondere Atmosphäre der Verbundenheit.
Reflexion
Wenn ich heute an meine Zeit als Ehrenamtliche zurückdenke, wird mir klar, wie sehr mich diese Erfahrung geprägt hat. Aus dem anfänglichen "Ich will helfen" wurde ein gegenseitiges Geben und Nehmen, das mein Leben ungemein bereichert hat. Die wöchentlichen Besuche bei Herrn Weber sind fester Bestandteil meines Alltags geworden – und ich vermisse sie, wenn sie mal ausfallen müssen.
Besonders in Erinnerung bleibt mir der Moment, als ich nach einem anstrengenden Arbeitstag zu ihm kam und er sofort bemerkte, dass etwas nicht stimmte. "Setz dich erstmal hin, ich mach uns einen Tee", sagte er einfach. In dieser Umkehrung der Rollen wurde mir bewusst, wie sehr sich unsere Beziehung entwickelt hatte. Heute weiß ich: Ehrenamt bedeutet nicht nur, anderen zu geben, sondern auch selbst beschenkt zu werden – mit wertvollen Begegnungen, neuen Perspektiven und einer tiefen Dankbarkeit für das gemeinsame Miteinander.
- Mach dir zunächst Gedanken, wo deine Interessen und Fähigkeiten liegen: Möchtest du lieber mit Menschen arbeiten, im Umweltbereich tätig sein oder dich im Katastrophenschutz engagieren?
- Informiere dich bei deiner örtlichen Freiwilligenagentur oder auf Online-Portalen über passende Möglichkeiten in deiner Nähe.
- Vereinbare ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit der Organisation deiner Wahl. Nutze die Gelegenheit, alle offenen Fragen zu klären und dir ein eigenes Bild zu machen.
- Kläre wichtige Rahmenbedingungen wie Zeitaufwand, Einarbeitung, Versicherungsschutz und mögliche Aufwandsentschädigungen. Ein schriftlicher Vertrag gibt beiden Seiten Sicherheit.
- Starte mit einem Probetermin oder einer kurzfristigen Aktion, um zu testen, ob die Tätigkeit zu dir passt. Viele Organisationen bieten Schnupperangebote an.
- Tausche dich regelmäßig mit anderen Ehrenamtlichen aus, zum Beispiel in Begleitgruppen oder bei Fortbildungen. Der Erfahrungsaustausch ist wertvoll und motivierend.
- Vergiss nicht, auch auf deine eigenen Grenzen zu achten. Ein Ehrenamt sollte fordern, aber nicht überfordern. Regelmäßige Reflexion hilft, die Balance zu halten.
- Erweitertes Führungszeugnis (kostenlos für Ehrenamtliche)
- Grundkenntnisse in Erster Hilfe (empfohlen)
- Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit
- Interkulturelle Kompetenz und Empathie
- Mindestalter: 16 Jahre (je nach Einsatzgebiet variierend)
Für ehrenamtliche Tätigkeiten gelten je nach Einsatzgebiet spezifische Anforderungen. Bei der Arbeit mit schutzbedürftigen Personen ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis erforderlich. Die gesetzliche Unfallversicherung ist über die jeweilige Einsatzorganisation abgedeckt. Bei Tätigkeiten mit körperlicher Belastung wird eine gesundheitliche Eignung empfohlen. Die wöchentliche Einsatzdauer sollte 15 Stunden nicht überschreiten. Bei Fragen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Aufwandsentschädigungen wird die Konsultation eines Steuerberaters empfohlen.